Die DKB verschenkt 100 Euro fürs Kinderdepot. Der eigentliche Deal ist ein anderer.

Die DKB verschenkt 100 Euro fürs Kinderdepot. Der eigentliche Deal ist ein anderer.

Die DKB hat eine neue Prämienaktion gestartet: 100 Euro für das erste Depot, das Eltern für ihr Kind eröffnen. Das klingt nach einem großzügigen Bonus. Tatsächlich gehört die Prämie aktuell zu den höchsten am Markt. Aber: Warum überschlagen sich plötzlich Banken und Neobroker mit Kinderdepots? Die Antwort liegt nicht allein in den 100 Euro. Sie führt zu einem Steuerhebel, den viele Vergleichsportale nur am Rand erwähnen, zu einer rechtlichen Besonderheit, die in Werbetexten meist untergeht, und zu einem Wettbewerb, der mit der geplanten Frühstart-Rente erst richtig Fahrt aufnehmen dürfte.

Die DKB-Aktion in aller Kürze

Wer zwischen dem 15. Juli und dem 5. August 2026 sein erstes DKB-Einzeldepot oder Juniordepot eröffnet, mindestens ein Wertpapier kauft oder einen Sparplan einrichtet und diesen bis zum 15. November mindestens dreimal ausführen lässt, erhält im Dezember 100 Euro auf das Kinderkonto.

Voraussetzung ist ein DKB-Girokonto als Verrechnungskonto. Die Aktion gilt für die ersten 10.000 Depots, die sämtliche Bedingungen erfüllen. Rechnerisch ist das attraktiv. Bei der Mindestsparrate von 25 Euro und drei Ausführungen müssen lediglich 75 Euro investiert werden. Selbst nach den Sparplangebühren von insgesamt 4,50 Euro bleibt eine Rendite, die klassische Tagesgeldangebote deutlich übertrifft. Auch die dauerhaft kostenlose Depotführung spricht für die DKB. Ist das ein gutes Angebot?

Gut, mit Haken

Kurz gesagt: Ja. Die 100 Euro gehören derzeit zu den höchsten Barprämien im Markt. Die Einstiegshürde ist niedrig und das Depot bleibt dauerhaft kostenlos. Ganz ohne Einschränkungen ist das Angebot allerdings nicht.

Die DKB verlangt zwingend ein eigenes Girokonto für das Kind als Verrechnungskonto. Wer bislang kein Kunde ist, eröffnet also nicht nur ein Depot, sondern verlagert die gesamte Bankverbindung des Kindes zur DKB.

Auch bei den laufenden Kosten gehört die Bank nicht zu den günstigsten Anbietern. Mit 1,50 Euro pro Sparplanausführung liegt sie über Trade Republic oder Scalable Capital, die ETF-Sparpläne grundsätzlich kostenlos anbieten. Für langfristige ETF-Sparer kann der Bonus deshalb nach einigen Jahren durch höhere Gebühren wieder aufgezehrt werden.

Die Konkurrenz schläft nicht

Die DKB ist mit ihrer Aktion kein Einzelfall. Nahezu alle großen Anbieter haben ihre Kinderdepot-Angebote in den vergangenen Monaten überarbeitet. Während die DKB mit einer hohen Einmalprämie wirbt, setzen Trade Republic und Scalable Capital auf dauerhaft kostenlose Sparpläne, ETF-Rückvergütungen und Guthabenzinsen. ING, Consorsbank und comdirect punkten mit einer größeren Produktauswahl oder flexibleren Kontomodellen.

Welcher Anbieter der beste ist, hängt deshalb weniger von der Prämie als vom eigenen Sparverhalten ab. Wer jahrzehntelang monatlich ETFs besparen möchte, sollte stärker auf die laufenden Gebühren achten als auf einen einmaligen Bonus.

Der Steuerhebel, den viele nicht kennen

Spannend wird ein Juniordepot erst beim Steuerrecht. Kinder verfügen über einen eigenen Steuerfreibetrag auf Kapitalerträge. Für 2026 können damit bis zu 13.384 Euro an Kapitalerträgen steuerfrei bleiben, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Dieser Freibetrag steht unabhängig von den Eltern zur Verfügung.

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Dadurch lassen sich Kapitalerträge rechtmäßig beim Kind statt bei den Eltern versteuern. Gerade für Familien oder Großeltern, die ohnehin Vermögen übertragen möchten, kann das erhebliche steuerliche Vorteile bringen. Zusammen mit den Schenkungsteuer-Freibeträgen entsteht ein Gestaltungsspielraum, den viele Übersichten recht knapp behandeln. Häufig endet die Erklärung bereits beim Hinweis auf den Freistellungsauftrag.

Wem gehört das Geld?

Mindestens ebenso wichtig ist eine rechtliche Besonderheit. Das Geld im Juniordepot gehört ab dem Zeitpunkt der Einzahlung ausschließlich dem Kind. Nicht den Eltern. Nicht der Familie. Dem Kind. Mit dem 18. Geburtstag geht die vollständige Verfügungsgewalt automatisch auf den Nachwuchs über. Eltern können dann weder bestimmen, wofür das Geld verwendet wird, noch die Auszahlung verhindern.

Wer lediglich Geld für Ausbildung oder Studium zurücklegen möchte, sollte sich deshalb vor der Depoteröffnung überlegen, ob ein Juniordepot tatsächlich das passende Instrument ist. Genau dieser Punkt taucht in Werbetexten häufig nur in den rechtlichen Pflichtangaben auf, obwohl er zu den wichtigsten Eigenschaften eines Kinderdepots gehört.

Warum plötzlich alle Banken Kinderdepots entdecken

Dass derzeit fast alle großen Anbieter ihre Kinderangebote verbessern, dürfte kein Zufall sein. Im Hintergrund steht die geplante Frühstart-Rente. Nach den bisherigen politischen Plänen sollen Kinder künftig ab dem sechsten Lebensjahr einen staatlichen Zuschuss von monatlich 10 Euro erhalten, der in ein Wertpapierdepot fließt. Der Start ist derzeit für 2027 vorgesehen, rückwirkend für den Jahrgang 2020. Das Gesetz ist zwar noch nicht endgültig verabschiedet, die politischen Eckpunkte stehen jedoch weitgehend fest. Sollte das Modell kommen, entsteht praktisch über Nacht ein riesiger neuer Markt für Kinderdepots.

Aus dieser Perspektive wirken die 100 Euro der DKB weniger wie Großzügigkeit als wie klassische Kundengewinnung. Wer heute die Depotbeziehung zur Familie aufbaut, muss morgen nicht mehr um dieselben Kunden werben.

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Das ist keine Aussage über die Motive der DKB. Auffällig ist aber das Muster: Mehrere große Anbieter schärfen ihre Kinderangebote nahezu gleichzeitig nach, während sich mit der Frühstart-Rente ein neuer Milliardenmarkt abzeichnet.

Fazit: Was denn nun?

Die DKB-Aktion ist objektiv attraktiv. Wer ohnehin ein DKB-Konto nutzen möchte oder ohnehin ein Kinderdepot eröffnen wollte, nimmt die 100 Euro sinnvoll mit.

Die Prämie sollte allerdings nicht der alleinige Entscheidungsgrund sein. Wichtiger sind die laufenden Kosten, die passende Depotlösung und zwei Punkte, die in vielen Werbetexten ziemlich wenig Aufmerksamkeit erhalten: die steuerlichen Möglichkeiten eines Juniordepots und die Tatsache, dass das Vermögen rechtlich von Anfang an dem Kind gehört.

Die 100 Euro sind deshalb nicht die eigentliche Geschichte. Sie sind lediglich der Anlass, sich ein Thema genauer anzusehen, das für viele Familien in den kommenden Jahren deutlich wichtiger werden dürfte.

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