30 Gramm Zucker – so viel steckt in einem Produkt, das „Zero“ heißt. Die Rede ist vom Buttermilch Drink Zero von Milram. Klingt paradox? Ist es aber nicht – zumindest nicht rechtlich. Denn „Zero“ bedeutet nicht automatisch zuckerfrei. Viele Hersteller nutzen den Begriff, obwohl ihre Produkte noch spürbare Mengen Zucker enthalten. Ich zeige dir, bei welchen Produkten das der Fall ist, was „Zero“ wirklich bedeutet, worauf du beim Einkauf achten solltest und, wie „gesund“ Zero wirklich ist.
Der Zero-Mythos
Wer an Zero denkt, denkt an zuckerfrei oder kalorienfrei, an Genuss ohne Reue und ganz vielleicht noch an die verschiedenen Zuckerersatzstoffe und ihre gegebenenfalls abführende Wirkung. Aber Zucker? Nein, da ist doch keiner drin. Falsch gedacht!
Denn auch Zero-Produkte können geringe Mengen Zucker enthalten. Wenn ein Lebensmittel etwa von Natur aus Zucker enthält – wie bei Früchten oder Milch. Zwar wird dann kein Zucker zusätzlich beigegeben, dennoch steht am Ende bei den Nährwertangaben unter Kohlenhydrate nicht 0,0 Gramm Zucker auf der Verpackung. Ich habe mir einmal angeschaut, welche Zero-Produkte mehr Zucker enthalten, als man auf den ersten Blick erwarten würde.
Diese Produkte enthalten mehr Zucker, als du denkst
Da wäre zum Beispiel die Zero Buttermilch von Milram. Die gibt es unter anderem bei Rewe, Edeka oder Aldi zu kaufen. Doch wer sich von dem Zero-Versprechen verführen lässt, erlebt beim Blick auf die Nährwerte sein zuckriges Wunder. Das Produkt enthält nämlich ganze vier Gramm Zucker auf 100 Gramm. Hier haben wir den natürlichen Zucker des Heidelbeersafts und der Buttermilch. Und beides macht immerhin noch vier Prozent des Gesamtprodukts aus – auf die 750-Gramm-Flasche sind das exakt 30 Gramm purer Zucker.

Genauso verhält es sich bei der Zero Quark-Joghurt-Creme Mango von Exquisa. Weitere Beispiele wären der Zero Ketchup von Heinz mit 4,4 Prozent Zuckeranteil dank Tomaten und Zitronensaft oder auch der Zentis Fruchtaufstrich Triple Zero Erdbeere mit sogar 7,9 Prozent Zucker (wegen der Erdbeeren, dem Trauben- und Zitronensaft).
| Produkt | Zuckergehalt | Grund | Standard-Variante zum Vergleich | Zuckergehalt |
|---|---|---|---|---|
| Milram Buttermilch Zero | 4 % | natürlicher Zucker aus Beerensaft & Buttermilch | Milram Buttermilch versch. Fruchtsorten | 9,8 – 10,2 % |
| Exquisa Zero Quark-Joghurt-Creme Mango | 4 % | natürlicher Fruchtzucker | Exquisa Quark-Genuss Pfirsich-Marajuca | 12,4 % |
| Heinz Ketchup Zero | 4,4 % | Tomaten & Zitronensaft | Heinz Tomato Ketchup | 22,8 % |
| Neoh Crisp n Cream Knusperriegel Zero | 4,7 % | Milchzucker | Kinder Bueno | 41,2 % |
| Zentis Triple Zero Erdbeere | 7,9 % | Erdbeeren, Trauben- & Zitronensaft | Zentis Frühstücks-Konfitüre Erdbeere Extra | 55 % |
Zwar steht auf den Verpackungen zusätzlich der Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ oder „enthält von Natur aus Zucker“, doch der „Zero“-Zusatz verwirrt dennoch. Wenn er nicht zwingend für zuckerfrei steht, wofür denn dann?
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Was bedeutet eigentlich „ZERO“?
Wie kann es sein, dass zwar Zero draufsteht, aber nicht Zero drin ist? Ich habe dazu die Verbraucherzentrale und das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW (MLV) gefragt. Und siehe da: „Der Begriff ‚Zero‘ ist rechtlich nicht genau definiert“, wie die Verbraucherzentrale erklärt. „Aus unserer Sicht verstehen Verbraucher:innen ‚Zero‘ als Synonym für ‚-frei‘, also zum Beispiel ‚zuckerfrei‘ oder ‚kalorienfrei’“ – oder auch fettfrei. Vor allem bei Erfrischungsgetränken. „Diese Erwartung hat sich durch die langjährige, weitgehend einheitliche Verwendung der Bezeichnung etabliert.“
Als „Zero“ gekennzeichnete Produkte sollten, wie es für „zuckerfrei“ oder „kalorienfrei“ vorgeschrieben ist, maximal 0,5 Gramm Zucker oder vier Kalorien (auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter) enthalten, so die Verbraucherzentrale. Da der Begriff mittlerweile auch in anderen Lebensmittelkategorien angewandt wird, weichen die Bedeutungen jedoch stark voneinander ab. „Im Bereich Soßen, Milchprodukte oder Marmelade verwenden Hersteller ‚Zero‘ häufig lediglich um ein Produkt ‚ohne Zuckerzusatz‘ zu kennzeichnen, auch wenn das Produkt weiterhin relevante Mengen an Zucker und Kalorien enthält.“ Das sieht man an den oben genannten Beispielen. Wie das MLV schildert, ist das rechtlich vollkommen in Ordnung. Solange die Zero-Produkte zusätzlich die Hinweise „ohne Zuckerzusatz“ oder „enthält von Natur aus Zucker“ aufweisen (solange dies auch stimmt). „Zero“ darf also auch Zucker enthalten.
Die Verbraucherzentrale kritisiert dies jedoch als „missverständlich“. Eine derartige Verwendung des Begriffs könne „zu falschen Erwartungen führen, denn Verbraucher:innen könnten bei solchen Lebensmitteln ein ‚zucker- und kalorienfreies‘ Produkt erwarten.“ Daher plädiert die Verbraucherzentrale für eine „einheitliche und transparente Kennzeichnung“. In den hier genannten Beispielen wären die Bezeichnungen „ohne Zuckerzusatz“ und „enthält von Natur aus Zucker“ deutlich verständlicher und würden die Produkteigenschaften klar beschreiben.
Kein Zucker-Schock, aber Diabetes und Hirnalterung?
Der überraschend hohe Zuckergehalt in Zero-Produkten ist das eine, viel interessanter sind die Ersatzstoffe und Süßungsmittel, die stattdessen verwendet werden. Künstliche Süßstoffe sind zwar praktisch zucker- und kalorienfrei, doch weisen aktuelle Studien auf Gefahren bei regelmäßigem Konsum hin. Ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 (>>zur Studie) und ein gestörtes Darmmikrobiom sind bereits bekannte Nebenwirkungen. Aber wusstest du auch, dass etwa Sucralose zu Gewichtszunahme führen kann?
Sucralose beispielsweise wirkt im Gehirn appetitanregend, sie steigert die Aktivität im Hypothalamus (der Schaltzentrale). Wer viel davon konsumiert, könnte ein stärkeres Hungergefühl empfinden, was das Gewicht negativ beeinflussen kann. Das hat die University of Southern California (USC) mit Beteiligung der Uni Tübingen und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) herausgefunden.
Doch nicht nur Sucralose steht im Zentrum der Studien, auch Alternativen wie Aspartam, Saccharin, Acesulfam-K, Erythritol, Xylitol, Sorbitol usw. Bei einer langjährigen Studie der Universität São Paulo konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die kognitiven Fähigkeiten bei den Probanden abnahmen. Das bedeutet: Dein Hirn altert durch den Konsum von künstlichen Süßstoffen schneller, als es normal wäre. Forschende warnen deshalb vor möglichen Langzeitfolgen, die wir heute noch gar nicht absehen können.
Fazit
Zero-Produkte müssen nicht unbedingt gar keinen Zucker enthalten. Damit kann auch gemeint sein, dass kein zusätzlicher Zucker verwendet wurde und von Natur aus welcher enthalten sein kann. Das ist vor allem bei Produkten mit Früchten, Säften oder auch Milch der Fall. Solange die Hinweise „ohne Zuckerzusatz“ oder „enthält von Natur aus Zucker“ auf der Verpackung stehen, ist auch die Bezeichnung als „Zero“-Produkt erlaubt. „Zero“ kann sich aber auch auf die Kalorien, den Fettgehalt oder etwas ganz anderes beziehen. Aber auch mit einem geringen Zuckeranteil sind Zero-Produkte aufgrund der Verwendung von künstlichen Süßstoffen gesundheitlich bedenklich. Studien liefern Hinweise auf verschiedene negative (Langzeit-)Folgen auf den Körper.

