Dass ein Navigationsturm auf dem Dach für zusätzliche Höhe sorgt, ist bekannt und logisch: Der Lidarturm, mit dem viele Roboter deine Wohnung vermessen, benötigt einen Rundumblick und muss dafür oben auf dem Gehäuse sitzen. Viele Hersteller lösen das mit einem absenkbaren Turm – Roborock löst das bei neuen Modellen am Heck.
Aber der Turm ist nur die halbe Wahrheit. Der zweite, oft unterschätzte Grund für die Bauhöhe steckt an einer ganz anderen Stelle: unter dem Roboter, bei der Wischtechnik. Denn die verbaute Wischfunktion hat einen maßgeblichen Anteil daran, wie hoch ein Saugroboter ist.
Drei Wischsysteme mit unterschiedlichen Bauhöhen
Für die Nassreinigung setzen die Hersteller auf drei verschiedene Ansätze. Und jeder davon braucht unterschiedlich viel Platz nach unten, was sich direkt auf die Gesamthöhe des Roboters auswirkt.
Die Wischplatte – flach wie ein Pfannkuchen
Die platzsparendste Variante ist die Wischplatte. Stell dir einfach ein flaches, feuchtes Tuch vor, das unter dem Roboter sitzt und beim Fahren über den Boden gezogen und dabei gerüttelt wird. Weil das Ganze praktisch zweidimensional ist – ein dünnes Pad ohne dicke Mechanik darunter –, baut es kaum Höhe auf. Genau deshalb ist Roborocks Saros 20 Sonic (Test) mit 7,95 Zentimetern so flach. Kurios ist, dass diese Wischtechnik fast als ausgestorben galt. Roborock hat sie zurückgeholt und wischt damit trotzdem auf Spitzenniveau.

Rotierende Wischpads – der Klassiker unter den Saugrobotern
Am weitesten verbreitet sind zwei runde, rotierende Wischpads, die sich wie kleine Poliermaschinen unter dem Roboter drehen. Im Gegensatz zu einer Wischplatte, werden hier zwei kleine Motoren, die Halterungen und eine Mechanik, die die Pads über Teppichen anhebt, verbaut. Dennoch bleibt das System vergleichsweise flach. Der Roborock Qrevo Edge 2 (Test) kommt damit auf 7,98 Zentimeter, und auch günstigere Modelle wie der Tapo RV50 Pro Omni oder der Dreame L50s Pro Ultra nutzen diese Grundtechnik.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert der Roborock Saros Z70 (Test). Er ist der erste Saugroboter mit einem mechanischen Greifarm, der herumliegende Socken oder Handtücher wegräumt. Man könnte meinen, so ein Arm samt zusätzlicher Kameras und Motoren müsse den Roboter zwangsläufig zum Klotz machen. Doch selbst dieser Hightech-Roboter bleibt bei absurd niedrigen 7,98 Zentimetern – flacher als die meisten Saugroboter ganz ohne solche Extras.

Die Wischwalze – beste Leistung, meiste Höhe
Jetzt zur Königsklasse beim Wischen und gleichzeitig zum größten Dickmacher: der rotierenden Wischwalze. Die Besonderheit hier: Sie wird permanent mit frischem Wasser versorgt und von einem Abstreifer wieder sauber gekratzt. Das dreckige Wasser landet in einem separaten Tank an Bord. Dieses ganze Kreislaufsystem – Rolle, Wasserzufuhr, Abstreifer und Schmutzwassertank – braucht schlicht viel Raum in der Höhe.

Der Lohn dieser Bauweise ist die beste Wischleistung auf dem Markt. Der Narwal Flow 2 entfernt im Test selbst eingetrocknete Ketchup- und Senfflecken oft schon im ersten Durchgang, während andere Roboter mehrfach drüberfahren müssen. Der Preis dafür ist die Höhe, und hier kommt der eigentliche Beweis: Der Narwal Flow 2 ist einer der flachsten Wischwalzen-Roboter, die ich getestet habe. Narwal verzichtet dafür sogar komplett auf den klassischen Navigationsturm oben. Dennoch ist der Roboter mit 9,5 Zentimetern rund anderthalb Zentimeter höher als die flachsten Pad-Modelle. Selbst eine derart auf Flachheit getrimmte Walze knackt also die 8-Zentimeter-Marke nicht. Die Technik selbst setzt hier die Grenze.
Der beste Beweis kommt von Roborock selbst
Der wohl aufschlussreichste Vergleich findet innerhalb einer einzigen Marke statt. Denn Roborock baut mit dem Qrevo Curv 2 Flow (Test) auch einen Roboter mit Wischwalze – und der misst plötzlich 11,9 Zentimeter, also fast vier Zentimeter mehr als der Saros 20 Sonic mit Wischplatte. Im Test habe ich genau deshalb vermerkt, dass das Saugen unter flachen Möbeln damit schwierig wird. Selbst der Flachbau-Weltmeister Roborock wird also sofort zum hohen Brocken, sobald eine Walze im Gehäuse steckt.
Flache Saugroboter: Was heißt das für deinen Kauf?
Am Ende läuft es auf einen Kompromiss hinaus, den du für dich selbst treffen musst. Willst du die absolut beste Wischleistung, führt kaum ein Weg an einer Wischwalze vorbei. Dann musst du aber mit einem höheren Gehäuse leben, das nicht mehr unter jedes Möbelstück passt. Steht dagegen die flache Bauweise im Vordergrund, weil bei dir viele niedrige Sofas, Betten und Schränke stehen, ist ein Modell mit Wischplatte oder rotierenden Pads die klügere Wahl. Und die müssen beim Wischen längst keine Abstriche mehr bedeuten: Der Roborock Saros 20 Sonic beweist im Test mit seiner flachen Platte, dass „unter 8 Zentimeter“ und Top-Wischleistung kein Widerspruch sein müssen.

